18.11.2016 – KrimiMatch – Nachlese

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Auf Abwegen
KrimiMatch Café im PaB 18.11.2016

Kriminalkommissar Bötticher strebt vom Lago Maggiore in der Dammstraße seinem Zuhause am Helweg entgegen. Der Herr Kriminalrat hatte zum Fünfzigsten geladen und sich nicht lumpen lassen.
Jetzt rechts ab, Am Wall, Rudolf-Schlie-Straße. Einen Augenblick stützt sich Bötticher an der Kirchenmauer ab, die Kirche schwankt wie ein Schiff auf hoher See. Gerade will er weitergehen, da dringt ein Schrei an sein Ohr. Ein feiner, durchdringender Schreckensschrei. Hat er denn nicht mal nach Feierabend seine Ruhe? Doch er kann sich nicht einfach davonschleichen. Er lauscht, nichts, er pustet aus, Gott sei Dank, und setzt wieder einen Fuß vor den anderen, immer mit Bedacht. Vielleicht hat er sich auch nur verhört und noch das Quietschen der Restauranttür im Ohr. Doch auf Höhe des Einmann-Bunkers, ein Relikt aus dem zweiten Weltkrieg, wieder diese Quietschen, lauter, eindringlicher. Bötticher hört genau hin. Das Quietschen kommt direkt aus dem Bunker. Wahrscheinlich eine Katze, die durch einen der Luftschlitze reingekommen ist, aber den Ausweg nicht mehr gefunden hat. Alle verweichlicht, diese Stubentiger! Naja, Tür auf und raus mit dem Tier!
Bötticher fasst nach der eiserne Stange der Betontür, zieht, zieht erneut mit erhöhter Anstrengung, doch die Tür rührt sich keinen Millimeter. Was tun zu nachschlafender Zeit? Das Tier einfach verrecken lassen? Das ginge ihm gegen die Ehre. Er schaut sich um, man müsste den Griff an ein Auto oder an eine Zugmaschine anbinden und dann … er geht den Walter-Höcker-Weg hinauf, in der Wohnung an der Ecke Marktstraße brennt noch Licht. Der Kommissar klopft ans Fenster, Bauer Wolter ist ein gutmütiger Mensch, und in seiner Scheune steht eine einsatzbereite Zugmaschine. Da Bauer Wolter den Kommissar schnell wieder loswerden möchte, fackelt er nicht lange, Hose und Hemd übergezogen, das Scheunentor aufgeschoben, den Traktor gestartet und mit einem dicken Seil an den Griff der Betontüre gebunden. Ein Ruck, ein zweiter Versuch, die Tür fliegt auf, ein Schatten rettet sich ins Dunkel. Aber der andere Bewohner des Einmann-Bunkers kann sich nicht mehr retten. »Oh, Gott«, stößt Bauer Wolter aus, „was ist denn mit dem?“
Aus dem Fußraum der Zugmaschine fischt er eine Taschenlampe, richtet den Lichtstrahl auf die geöffnete Tür. Der Kommissar tritt einen Schritt vor, hält sich am Türgriff fest. „Aber das ist doch …“

Ab hier schrieben die Teilnehmer eine Fortsetzung des Krimis weiter unter Einbeziehung des vorgestellten Memory-Motivs …
Kennwort: Cosch

… der alte Kalle, der mit den Vögeln …. ich meine, der immer so gut zu den Vögeln ist!“
Genau. Bauer Wolter schaut genauer hin. Der alte Kalle, wohnhaft im Stift in der Koldinger Straße, besucht täglich den Fuchsbachpark. Seine Leidenschaft, die Natur und die Vögel zu retten, zeichnet sich dadurch aus, dass er wöchentlich je ein Vogelhäuschen aufbaut. Seit drei Monaten wohnt er schon im Stift und so schmücken schon 12 Häuschen den Park. Vorher hatte er in Jeinsen gewohnt – dort hatte er sein Hobby sogar auf Hühner ausgedehnt. Pro Huhn ein Haus – das war selbst für die großzügigen Jeinser zu viel. Nach Beratung mit seinem Hausarzt kam man zum Schluss, dass der alte Kalle „Alter nicht schätzbar“, verwirrt ist und lieber seinen Lebensabend beaufsichtigt in der Kernstadt von Pattensen verbringen soll. Nach kurzer Eingewöhnung war er schon stadtbekannt und überall gern gesehen! Wer will ihm denn was Böses?
Vor ein paar Wochen hatten ihn erst die Landfrauen eingeladen, um dem Hobbyornithologen die Möglichkeit zu geben, einen Vortrag über die heimischen Vögel zu halten. Bei Erdbeerkuchen und Kaffee unterhielt er sich bestens mit den Anwesenden. Er konnte wirklich keinem was zuleide tun? Wie kam er in diesen Bunker? War die Tür offen gewesen?
Kommissar Bötticher rief die Kollegen an den Tatort. Bei der genauen Untersuchung fanden sie eine Memory-Karte, abgebildet war ein Kind im blauen Anzug und Hut und 3 Blumen im Hintergrund. Was soll das bedeuten? Gefunden wurde die Karte in der Hand des Toten! Ein Hinweis? Auf wen? Auf was?
Das Polizeiaufgebot locke natürlich auch Neugierige an. Schnell war die kleine Straße voll von Pattenser Bürgern, die mehr oder weniger etwas gesehen hatten oder Vermutungen anstellten. Zwei Gesichter kamen dem Kommissar unbekannt vor. Die Nachfrage ergab, dass es Mitglieder eines Wanderzirkus waren, der sein Zirkuszelt auf der Wiese von H. Hahne aufgestellt hatte, an der Hiddestorferstraße.
Bereitwillig  gaben die beiden Auskunft, dass Kalle interessiert nachgefragt hatte, ob sie nicht an einer Vogelartistik interessiert wären. Er hätte eine Schar Gänse dressiert, die einem Kind folgen würden – im Gänsemarsch. Das Kind lockt sie mit Radieschen, die die Tiere gerne essen. Das Kind wohnt in der Nachbarschaft des Stifts und trifft Kalle täglich im Park. Der Zirkus sah leider keine Möglichkeit dieses Show einzubauen, da der Zirkus weiterziehen muss und Kalle, das Kind und die Gänse in Pattensen bleiben müssen.
Am nächsten Morgen wollte Bötticher das Kind befragen. Die Mutter schickte ihn ins PAB (Pattenser Bad), dort fand gerade ein Spieletag statt. Er musste das Kind beim Baden und Springen stören. In der Badehose stand es vor ihm und erzählte, dass es Kalle am Vortag zuletzt gesehen hatte als er vor dem kleinen Bunker stand. Die Tür zum Bunker stand offen und er schien etwas zu suchen. Das Kind musste dann aber nach Hause und konnte nichts weiter dazu sagen, was passiert sein könnte.
Die genaue Obduktion der Leiche ergab, dass Kalle einem Herzschlag erlegen war. Unter seiner Leiche fand man ein Mäppchen mit Buntstiften und eine 2. Memory-Karte – ein Kind im blauen Anzug war darauf abgebildet. Hatte Kalle sich so über den Verlust dieser Karte aufgeregt, dass sein Herz aufgab. Oder war es ein geheimes Zeichen? Man wusste nicht viel über Kalles vor Jeinsen, vor Pattensen. Aber warum war die Tür geschlossen? Was wollte er mit Buntstiften? Sollte er dieses Geheimnis mit ins Grab nehmen ….

 

Kennwort: Longner

…. Bäcker Fischer, der im Pfarrgarten immer die Vögel füttert. Er wollte doch nur ein neues Vogelhaus bauen und jetzt ist er mausetot. Er macht so etwas Grausames? Er liegt auf dem Boden und rund um ihn herum sind lauter Federn. Das Huhn vom Pastor musste wohl dran glauben. Aber hat denn keiner etwas gehört? Von der Kirche bis zum Tatort sind ein Dutzend Eier verstreut worden, alles sehr merkwürdig. Ein Fremder wäre wohl aufgefallen, aber ein Gutbürger würde sich nicht gleich den Magen mit Erdbeerkuchen verdorben haben, so dass er so leiden musste, um so einen Groll zu entwickeln. Der Kuchen ist auf schlesische Art gebacken und schmeckt hervorragend. Immer nach alter Tradition. Ich bin fassungslos, dass Max aus dem Nachbarhaus alles mitansehen musste. Er war gerade im Garten und hat 3 Blumen für seine Mutter gepflückt, die er an diesem Morgen überraschen wollte. Er hatte sich leise im Regenmantel aus dem Haus geschlichen.
Er steht nun ganz still da und schaut auf das Zirkuszelt. Das war heute Mittag noch nicht da. Der Zirkus muss am Nachmittag gekommen sein. Ob die etwas mit dem Huhn und den Eiern zu tun haben. Vielleicht wollten sie das für die Tiere. Oder? Alles sehr komisch. Die meisten Tiere essen doch Gemüse und Salat und Radieschen und Möhren Radieschen? Momentmal…
Max ist sehr traurig und rennt nach Hause. Viele Nachbarn stehen auf der Straße und sind neugierig. Alle wollen wissen was passiert ist. Nur Marie interessiert sich überhaupt nicht. Sie ist im Garten am Pool um ihr Seepferdchen zu feiern. Das ist wichtiger als alles andere. Für sie jedenfalls. Mit einem Mal hört auch Marie das Martinshorn.  Sie will ihr Handtuch nehmen und auf die Straße laufen. Sie macht große Augen, so ein Aufgebot von Polizei und Nachbarn. Doch als Marie das Handtuch aufnehmen will fällt ihr auf, dass irgendetwas anders ist als vorher. Ihre Bundstifte liegen alle auf dem Boden und in der Ecke sitzt zusammengekauert ein Clown. Sie schreit ganz laut und die Polzei ist schnell bei ihr und verhaftet den Clown. Ob er der Mörder von Bäcker Fischer ist? Wer weiß. Die Polizei wird den Fall aufklären.

 

Kennwort Suntje

… ein Papagei. Wo kommt der denn her?“
Bauer Wolter hält sich die Ohren zu. Wieder ein durchdringender Schrei. „Wie kommt denn dieses Viech hier herein?“ E nimmt die Hände herunter.
Der Papagei flattert auf Böttichers Kopf und schlägt mit den Flügeln.
„Ha, der steht dir gut. Ein geflügelter Hut. Pass auf, dass der nicht abhebt“. Wolter lacht laut und dröhnend.
Der andere Bewohner plustert aus dem Bunker heraus, direkt vor die Füße von Bötticher. Wolter schlägt sich vor Lachen auf die Knie. „Noch ein geflügelter Insasse – ein Huhn“. Er greift in seine Jackentasche. „Ich hatte doch gerade noch eine süße Haribo-Erdbeeren-Tüte eingesteckt“. Grinsend schaut Bötticher seinen Kumpel an. „Du bist aber auch eine Naschkatze“.
„Siehst du. Gut dass ich die Süßigkeiten eingesteckt habe“. Wolter reisst die Tüte auf und schmeisst dem Huhn eine Erdbeere hin. Es pickt sofort daran herum. Auch dem Papagei hält er eine Gummifrucht hin. Der schreit und schnappt sie sich.
„Was machen Sie da?“ hören die beiden Männer hinter sich. Langsam dreht Bötticher sich um. Er will den Papagei nicht verscheuchen. Wolter fährt erschrocken herum. Das Huhn pickt an der Erdbeere.
„Wieso füttern Sie die Tiere mit Gummizeugs? Das ist ungesund“. Ein kleiner Junge, der Bötticher bis zur Hüfte reicht, steht vor ihm und fragt „Wer bist du und warum hast du meinen Papagei auf dem Kopf?“ Bötticher lächelt. „Ich bin Kommissar Bötticher und wer bist du?“
Wolter staunt immer noch und guckt vom Huhn zu Bötticher zu dem Jungen. „Ich bin Tobias“.
„So? Und das ist dein Papagei? Ist das auch dein Huhn?“ fragt Bötticher.“Ja, es sind beides meine Tiere. Wir gehören alle drei zu dem Zirkus, der auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum gastiert“. „Stimmt“ sagt Wolter. Das Zirkuszelt habe ich schon gesehen. Seit gestern seid ihr da.“
„Tobias, wieso sind deine Tiere in dem Bunker?“
„Meine Schwester hat hinter dem Zelt Kunststücke mit den beiden für die Abendvorstellung geübt. Putzi haut ab und zu mal ab, aber Isolde eigentlich noch nie“.
Wolter sagt immer noch nichts, er hört aufmerksam zu. Gedankenverloren greift er wieder in seine Jackentasche und holt ein großes Radieschen raus. Isolde, das Huhn, gackert laut und springt an Wolter hoch. „Hey, hör auf“, er lässt das Radieschen fallen. „Was macht ihr denn für Kunststücke“, Bötticher  wirkt sehr interessiert. „Die Tiere sind sehr begabt. Sie sind der Brüller“. Das kann sich Wolter vorstellen. Er hat sich einigermaßen beruhigt. „Ich habe aber noch eine Spezialartistik, die wir nur in unserem Zirkus aufführen“.
Die beiden Männer blicken den Jungen mit großen Augen an. Der Papagei krächzt „Spezial, Spezial“.
„Ich springe von einem Trapez, fast völlig nackt, also nur mit Badehose, von dem Trapez in ein Bassin am Boden der Arena“.
„Das hört sich gefährlich an“ Bötticher klopft Tobias auf die Schulter. „Aber wie kann es sein, dass das Huhn hier her gekommen ist. Der Papagei ja, aber das Huhn?“
„Das fragen Sie am bestem mal meine blöde Schwester. Die hat keinen Bock mehr auf die Aufführung, sie will Malerin werden. Ich könnte mir stellen, dass sie die beiden hier eingesperrt hat. Das Versteck ist fabelhaft“.
„Mann, da bin ich ja froh, dass wir Huhn und Papagei hier gefunden haben“. Bötticher wirkt sehr zufrieden.
Der Papagei flattert auf und setzt sich bei Wolter auf die Schulter und schreit ihm ins Ohr „Erdbeere“.
Alle lachen, auch die Tiere.
Wolter hält dem Papagei eine Frucht vor die Nase und wirft dem Huhn ein Radieschen zu. „Na, dann wollen wir uns mal auf den Heimweg machen. Tobias, was meinst du?“
„Ja. Kommen Sie mit?“ „Na klar, und dann wollen wir mal mit deiner Schwester ein Hühnchen rupfen“. Wolter füttert den Papagei. „Und ich möchte wissen, wie ihr beiden in den Bunker gekommen seid“.

 

 

 

 

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