Februar

Lotto mit Otto

»Herr Otto, hätten Sie Lust, sich an unserer Lottogemeinschaft zu beteiligen?«

»Wie viele machen denn mit?«

»Mit Ihnen sind wir schon zu zweit.«

»Wie viele Kästchen spielen Sie denn?«

»Vier.«

»Dann übernehme ich auch vier Kästchen. Was muss ich bezahlen?«

»Mit einem Zwanziger bist du dabei!«

»Hui, das ist aber teuer!«

»Dann übernehme ich eben fünf Tippfelder, und für Sie bleiben drei.«

»Wenn wir etwas gewinnen, wird aber auch geteilt?«

»Natürlich teilen wir!«

»Dann kriege ich also die Hälfte?«

»Wir teilen prozentual: Ich spiele fünf Felder und bekomme fünf Achtel vom Gewinn, Sie spielen drei Felder und bekommen drei Achtel.«

»Drei Achtel von einer Million? Das ist aber wenig.«

»Bezahlen Sie die Hälfte vom Tippschein, und Ihnen steht eine halbe Million zu!«

»Das ist aber ein Verlust für mich. Wie ich sehe, spielen Sie auf allen Feldern dieselben Zahlen.«

»Damit vervielfache ich meinen erwarteten Gewinn.«

»Dafür haben Sie aber auch geringere Aussichten, überhaupt etwas zu gewinnen. Ich tippe immer unterschiedliche Zahlen.«

»Und – haben Sie mit Ihren unterschiedlichen Zahlen schon einmal etwas Nennenswertes gewonnen?«

»Hm.«

»Ich auch nicht. Womit die Chancengleichheit der beiden Systeme wohl hinlänglich bewiesen wäre. Außerdem haben meine Zahlen eine höhere Trefferaussicht, da sie aus dem Glückshoroskop meiner Programmzeitschrift stammen.«

»Alles Hokuspokus!«

»Wenn ich es mir richtig überlege, zweifle ich allmählich daran, ob ich Sie überhaupt an deinem Spielschein beteiligen soll. Meine Sterne stehen im Augenblick ausgesprochen günstig.«

»Wer sich auf die Sterne verlässt, ist verlassen.«

»Meine Freundin Inge ist bei einer ähnlichen Sternenkonstellation mit zweihundert Euro in ein Spielkasino gegangen und mit achtzehnhundert wieder rausgekommen, ohne auch nur ein einziges

Mal gesetzt zu haben.«

»Trägt sie figurbetonte Kleider?«

»Inge hat zwar nie gesetzt, sich aber immer die Zahlen gemerkt, auf die sie gesetzt hätte. Da die Zahlen nie gekommen sind, hat sie in Wirklichkeit doch gewonnen. So sind an einem einzigen Abend achtzehnhundert Euro zusammengekommen. Oder waren es sogar über zweitausend?«

»Ich hab’s mir überlegt, ich spiele lieber Fußballtoto.«

»So sind die Männer! Da muss bloß eine kluge, selbstbewusste Frau kommen und ihnen beweisen, dass sie mit ihrer männlichen Überheblichkeit falsch liegt – und schon sind sie eingeschnappt!«

 

© Günter von Lonski

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